Interesting Artist: Hans Langner/Birdman

DER VOGELMANN

Hans Langner avancierte Mitte der 1990er Jahre in seiner Wahlheimat Hongkong vom Schauspieler und Topmodel zum preisgekrönten Multimedia-Künstler. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er auch dort zum kreativen Höhenflug an.

Es klingt nach Klischee und eine Spur zu idyllisch, um wahr zu sein: ein schmuckes Austragshäuschen einer wohlhabenden Bauernfamilie auf einem Hügel bei Bad Tölz, davor ein Karpfenteich und rundum nichts als Wald, Wiesen und Ruhe. Dazu das sanfte Licht Oberbayerns, ein riesiger Garten mit Bachlauf und ein traumhafter Blick auf die Alpen. Das Zuhause von Hans Langner entspricht ziemlich genau dem Idealbild vom Häuschen im Grünen. Nur fehlt ihm jegliche bajuwarische Schwere und Bodenständigkeit. Dem vor 12 Jahren aus seiner Wahlheimat Hongkong zurückgekehrten Künstler gelang – dank eines großzügigen Vermieters, der ihm gestattete, sich hier frei zu entfalten – ein schwieriger Balanceakt: Er baute das Anwesen in ein skurriles Gesamtkunstwerk um – ohne dabei dem bäuerlich geprägten Gebäude seinen ursprünglichen Charme zu nehmen.

Seine gefiederten Fantasiewesen sind simple Kreaturen, oft schwarz und weiß, mit tropfenförmigem Körper, Schnabel und Beinen. „Ihre Kraft liegt in der Einfachheit“, sagt Langner und fügt hinzu: „Meine Vögel sind unisex. Egal, ob Männer, Frauen, Senioren oder Kinder. Alle lieben sie. Denn Fliegen war immer einer der größten Träume der Menschheit. Vögel können fliegen, doch wir stutzen ihnen die Flügel oder sperren sie in Käfige. Ich möchte alle Käfige öffnen und einen Traum Wirklichkeit werden lassen.“

Im Haus selbst findet das surreale Gesamtkunstwerk, das man während der Sommermonate im Rahmen regelmäßiger Führungen besichtigen kann, eine Fortsetzung. „Achtzig Prozent der Einrichtung sind inzwischen Kunstgegenstände, Gebrauchsgegenstände habe ich ganz bewusst auf ein Minimum reduziert“, erzählt Langner bei einer Tasse Tee. „Denn in den eigenen vier Wänden sollte lnterieur immer Kunst sein und umgekehrt.“ Kein Wunder also, dass man hier den Pfefferminztee auf einer Tischdecke aus Moos auf einem windschiefen Tisch serviert bekommt und in jeder Ecke ungewöhnliche Objekte und Skulpturen lauern. Selbst Kleiderbürsten zwinkern als Kunstwerke dem Besucher zu, der durch diese Traumwelt wandert und dabei mit lachendem Herzen womöglich seine Wohnvorstellungen über den Haufen wirft.

Neben dem Entwerfen von Art Interieur, wie er sein innenarchitektonisches Konzept beschreibt, beschäftigt sich Langner zurzeit vor allem mit Land Art. Ähnlich wie bei seinen unkonventionellen Wohnkunstwerken greift der Birdman, so sein aus Hongkong mitgebrachter Künstlername, dafür gerne auf profane Dinge zurück. Zum Beispiel auf die zwischen München und Bad Tölz zu Tausenden herumliegenden Strohballen, deren hässliche Plastikumhüllung er mit seinen lebensfrohen Vogelmotiven bemalt. Eine Aktion, die ihm nicht nur den begehrten Tassilo-Preis der „Süddeutschen Zeitung“ einbrachte, sondern mit der er auch die heimische Bauernschaft begeisterte.

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Über Franz Michael Braunschläger

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