Interesting Artist: Christin Beck

Malerei aus Leidenschaft

Die freischaffende Künstlerin Christin Maria Beck versucht sich am Spagat zwischen nostalgischen Accessoires und zeitgenössischer Malerei. Dies gilt ganz besonders für ihre raffiniert verfremdeten Reh-Bilder, die nicht nur in Kitzbühel, rund um den Tegernsee und auf Sylt zu begehrten Sammlerstücken mutierten.

Überdimensionale Rehaugen, Prosecco und Kunst, passt das zusammen? Es passt. Zumindest auf den großformatigen und farbintensiven Bildern der Malerin Christin Maria Beck. Deren Hauptmotive sind immer eine Rehgeiß und ein Rehbock, gemalt auf Holz, in einer aufwändigen Mischtechnik, die plastische Strukturen erzeugt. Verstärkt wird die dreidimensionale Wirkung durch Skier, Stöcke, Geweihe, Schmuck, feine Stoffe und weitere Details. Dabei legt Beck sehr großen Wert auf die Authentizität der Stücke: „Ich verbringe Stunden auf Flohmärkten und in Antiquitätenläden, um nostalgische Accessoires zu finden, die ein besonderes Flair besitzen“, sagt die Fünfzigjährige mit dem ansteckenden Lachen bei einem Espresso in ihrem Atelier im fränkischen Rückersdorf.

C. Beck

Ihre Karriere als Malerin startete die Autodidaktin mit dem Faible für fröhliche Farben mit eher konventionellen Blumenbildern. Doch schnell fand sie ihr ureigenes Sujet: anmutige, ausdrucksstarke Tiere in witzigen, oft hintersinnigen Arrangements, die Becks positive Einstellung zum Leben und der Natur widerspiegeln. „Meine Bilder sollen vor allem das vermitteln, was ich selbst beim Malen empfinde: Freude, Spaß und Lebenslust“, sagt Beck, die als begeisterte Mountainbikerin und Skifahrerin viel Zeit in den Alpen verbringt. Kein Wunder also, dass Becks Erfolgsstory dort, wo Himmel und Berge sich begegnen, ihren Anfang nahm. „Meine ersten Rehbilder konnte ich in Kitzbühel in Carsten Schulzes Einrichtungshaus Lebensräume ausstellen“, verrät die Mutter dreier erwachsener Söhne. „Kurz danach bekam ich das Angebot, eine Dauerausstellung in der Wedelhütte im Hochzillertal einzurichten. Die liegt auf fast 2.400 Metern, ist eines der schönsten Hotels der Alpen und ein wunderbarer Rahmen, um meine stark alpin angehauchte Kunst zu präsentieren.“

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Auf die Frage, wovon sie sich inspirieren lässt, antwortet die Künstlerin wie aus der Pistole geschossen: „Ich mag Mangas, Frieda Kahlo und ich blättere zum Beispiel gerne in alten Ausgaben der Vogue, denn ich liebe gut gemachte Werbung für Mode. Außerdem flaniere ich immer total fasziniert durch Hongkong, wo ich, durch den Beruf meines Mannes bedingt, viel Zeit verbringe. Keine andere Stadt ist kreativer und aufregender als dieser verrückte Schmelztiegel der Kulturen.“ Wobei viele ihrer Bilder mittlerweile Auftragsarbeiten sind. Momentan arbeitet sie etwa an einem ihrer typischen Rehbilder, bei dem das Thema „Frauen-und-ihre-Liebe-zu-Handtaschen“ persifliert wird. „So etwas geht natürlich nur, wenn man das exakt mit dem Auftraggeber abspricht“, sagt Beck, lacht und amüsiert sich köstlich über den frechen Spruch, der das Bild krönen wird, hier aber noch nicht verraten werden darf.

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Erst bei näherer Betrachtung ihrer Bilder zeigt sich übrigens, welch filigrane Detailarbeit sie dabei leistet. „Ich muss immer etwas mit den Händen machen, sonst bin ich nicht glücklich“, verrät Beck, deren Großvater Architekt und Bildhauer war. „Schon als Kind habe ich die Kleider für meine Puppen selbst geschneidert und noch heute individualisiere ich gekaufte Kleidung, indem ich diese mit neuen Knöpfen versehe oder mit passenden Accessoires einem Feintuning unterziehe.“ Gerne würde sie auch Lampen kreieren oder andere Einrichtungsgegenstände gestalten, sagt Beck, doch dafür fehle ihr einfach die Zeit. „Mit meinen Ideen ist es fast wie mit einer Tyrannei: Sie kommen immer, jeden Tag. Und sie müssen raus, egal wie. Wenn ich sie nicht äußern kann, stehe ich total unter Druck.“

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Ein innerer Zustand, der sich nicht auf die Stimmung ihrer Bilder überträgt, denn die regen immer zum Schmunzeln an und stimmen froh. Das ist der Grund, warum Becks verfremdete Rehbilder mit dem Gehörn oben und anderen Zugaben, etwa einer Sonnenbrille, einem Mini-Teddybär oder einer echt antiken Lederhose, in der Sammlerszene für Furore sorgten. Und sich – dank einer eher moderaten Preisgestaltung – wie geschnitten Brot verkaufen. Kunstkenner sind sich jedoch sicher: Schon bald werden die Preise für ihre Bilder explodieren.

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Über Franz Michael Braunschläger

Publisher, Writer, Photographer
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