BARFUSS INS PARADIES.

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Grün-weiße Tupfer im türkisfarbenen Meer. Weltklasse-Resorts. Faszinierende Unterwasserwelten. Die Malediven sind das Schönste, was der Indische Ozean zu bieten hat. Eine Stippvisite.

Male Airport, Conrad Rangali Lounge. Dutzende Twin Otters mit weißen Schwimmern dort, wo andere Flugzeuge Räder haben, schaukeln in der Bucht. Flugzeuge, die schon lange nicht mehr gebaut werden, aber wie geschaffen sind für die Inselwelt der Malediven. Erst kurz vor dem Start zwängt sich Susan, die Co-Pilotin, aus dem Cockpit, liest die Sicherheitshinweise vor, greift zur Safety Card, der Plastikkarte mit den Bestimmungen für Notfälle, und fügt mit einem breiten Grinsen hinzu: „Wenn Ihnen warm wird, fächeln Sie sich am besten hiermit Luft zu.“

Dann brüllen die zwei Propeller der rot-weißen, 16-sitzigen Maschine auf und im Nu schwebt man zwischen dunkelgrauen Regenwolken. Und fühlt sich wie in einem Backofen gefangen – da hilft tatsächlich nur unentwegtes Fächeln mit besagter Safety Card. Beim Blick ins offene Cockpit zeigt sich, dass auch Sean, der Pilot, diese äußerst lässige Uniform trägt: Ray Ban Aviator-Sonnenbrille, kurzärmeliges weißes Pilotenhemd und Khaki-Shorts. An den Füßen – nichts. Denn mit Schuhen rutsche man auf den Kufen nur aus, so Susan.

Was für ein paradiesisches Land, in dem man bei der Arbeit so gekleidet ist wie im Urlaub. Doch die Idylle trügt, denn die 1190 Inseln der Malediven gehören zu den Orten auf der Welt, die von den ansteigenden Ozeanen als erstes überflutet werden könnten – am höchsten Punkt ragen sie gerade einmal zweieinhalb Meter aus dem Wasser. An den meisten Stellen sind es nur ein Meter oder weniger. Der Archipel ist damit das flachste Land der Welt. Nichtsdestotrotz zählen gerade dessen Mini-Eilande zu den begehrtesten Destinationen für internationale Investoren – in den nächsten Jahren sollen mehr als fünfzig neue Luxus-Resorts gebaut werden.

Beim Anflug auf Rangali und Rangalifinolhu reißen die Wolken plötzlich auf, breite Sonnenstreifen tauchen die Zwillingsinseln, die durch einen mehrere hundert Meter langen Holzsteg verbunden sind, in ein warmes Licht. Wie fast alle Malediveninseln sehen sie von oben aus wie im Wasser schwimmende Rucula-Pizzen: innen dunkelgrün, darum herum ein perlweißer Sandstreifen, und bis zum äußeren Ring, dem Hausriff, das Meer in einem verlockenden Türkis. Routiniert setzt Sean die Twin Otter auf das Wasser und steuert auf die Mitte des Steges zu, wo sich ein Ponton und die Rezeption des Conrad Rangali Resorts befinden. „Viel Spaß im Paradies“, sagt Susan, die Co-Pilotin, während sie die Taue löst. Lacht. Und schiebt – ein klein wenig neidisch, so scheint‘s zumindest – die Sonnenbrille ins Haar.

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Schon nach ein paar Stunden auf Rangali muss auch der kritischste Geist zugeben, dass die PR-Abteilung des Hilton-Konzern die Sache auf den Punkt gebracht hat. Mit dem Slogan „Sechs-Sterne-Barfuß-Luxus“ wirbt sie für die Hotelinseln. Und das trifft es recht genau. Denn läuft man erst mal barfuß – und das tun früher oder später alle Gäste –,  ist automatisch jeder Widerstand gebrochen und man mutiert gerne zum totalen Hedonisten. Der Erlebnisdruck fällt ab auf null und selbst die lebhaftesten Kinder finden sich mit zufriedenen Gesichtern mit der neuen Rolle als aktive Passivurlauber ab: Wie die Erwachsenen lassen sie sich nur noch intensiv ernähren, besonnen, massieren und transportieren.

Eines aber muss man tun auf Rangali: Schnorcheln. Das ist dann aber auch schon alles. Man weiß allerdings nie, wem man so begegnet. Manchmal taucht aus dem Nichts eine Muräne auf, deren Anblick durch Mark und Bein geht. Manchmal lässt sich eine gemütlich paddelnde Schildkröte blicken. Und manchmal verliert man sich in einem Schwarm silberfarbener Blauflossenmakrelen. Wer sich diesen Zauber entgehen lässt, ist selbst schuld! Dennoch kommen hier auch eher wasserscheue Typen in Sachen faszinierende Unterwasserwelt voll auf ihre Kosten: Abends ist die Mole beleuchtet und man kann stundenlang Stachelrochen und Riffhaien zusehen, wie sie in der Lagune nach kleinen Fischen jagen.

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Oder man bucht ein Dinner im Ithaa-Restaurant. Das befindet sich fünf Meter unter dem Wasser und bietet Platz für 14 Gäste. Das Menü wird in sieben Gängen serviert, eine abendfüllende Veranstaltung, bei der man maledivischem Lobster, scharf gewürzten Jakobsmuscheln mit schwarzem Salz oder einem Crusted Sea Bass begegnet. Hauptattraktion in dem submarinen, neun Meter langen und fünf Meter breiten Acryl-Kubus ist aber nicht das Meeresgetier auf dem muschelförmigen Rosenthal-Teller, sondern das, was man draußen im Indischen Ozean durch die zwölfeinhalb Millimeter dicken Scheiben bewundern kann. Es sorgt dafür, dass sich selbst das frisch vermählte Paar aus Japan kaum auf die kulinarischen Highlights konzentrieren kann. Immer wieder wird am Nebentisch zum beiliegenden Fisch-Atlas gegriffen und jeder schuppige Neuankömmling mit einem Schluck Champagner aus dem Riedel-Glas begrüßt.

Es gibt allerdings auch viele Gäste des Resorts, die man während ihres Aufenthalts überhaupt nicht zu Gesicht bekommt. Dies gilt vor allem für die Bewohner der 21 „Retreat Water Villas“, wo sich Wellness im privaten Rahmen genießen lässt. Die auf Holzstelzen ins Meer gebauten Bungalows bieten einen eigenen Spa-Raum mit schönen Ausblicken auf die Lagune und eine blickgeschützte Terrasse. Über eine Holztreppe kann man direkt ins brusthohe Wasser steigen. Wozu also noch zum 200 Meter entfernten Strand schlendern? Die Decken sind fast kirchturmhoch, wohin man blickt Edelhölzer. Die Espressomaschine ist state of the art, ein italienisches Fabrikat. Das ist überhaupt der derzeitige Trend auf den Malediven: Komplett durchdesignte, aber dennoch schlichte Schönheit, die nicht protzt, sondern modern interpretierten Luxus ausstrahlt.

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Über Franz Michael Braunschläger

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