Fischerei Tegernsee

„Richtig unangenehm wird’s nur, wenn im Winter der Ostwind bläst.“

 Der Tegernsee ist einer der saubersten Seen Bayerns und Lebensraum für Hechte, Renken, Saiblinge, Weißfische und Seeforellen. Wir durften mit ins Boot und begleiteten einen Tag lang das Team der Fischerei Tegernsee.

IMG_2824

20. März. Meteorologischer Frühlingsanfang. 6 Uhr. Die Sonne versteckt sich noch als kleine silberne Kugel hinter den Bergen. Das Thermometer zeigt minus zwei Grad Celsius an – allerdings verspricht der Wetterbericht bis zu 20 Grad im Laufe des Tages. Still und fast spiegelglatt präsentiert sich heute der See. Fischwirtschaftsmeister Simpert Ernst und Mitarbeiter Thomas Bayer machen im Bootshaus in Tegernsee wortlos das Alu-Boot startklar und schon geht es los Richtung Egerner Bucht. Zeit, den Fang einzuholen. Gut eineinhalb Stunden sind die Fischer jeden Morgen auf dem Wasser.

Ernst und Bayer stehen im Boot und ziehen vorsichtig das Netz aus dem Wasser. Man merkt sofort, dass sie ein perfekt eingespieltes Team sind: jeder Handgriff sitzt. Wobei beide trotz der empfindlichen Kälte ohne Handschuhe arbeiten. Endlich: die erste Renke. Mit geschicktem Griff befreit Ernst sie aus dem Netz, während Bayer die Knoten löst, die sich im Netz gebildet haben. Insgesamt 37 der begehrten schuppigen Silberlinge, ein paar Saiblinge und sogar ein Hecht mit 90 Zentimeter Länge, der aber wieder in den See entlassen wird, landen im Boot.

IMG_2819

Zusammen mit Christoph von Preysing, ebenfalls Fischereimeister, betreibt Simpert Ernst seit nunmehr 12 Jahren die Berufsfischerei am Tegernsee. „Ich stamme eigentlich aus Dießen am Ammersee“, sagt Ernst, „wo meine Familie seit Jahrhunderten das Fischereirecht besitzt.“ Auf der Suche nach einer Lehrstelle landete er schließlich im Betrieb von Michael Ostermeier, der nicht nur die Tegernseer und Bad Wiesseer Fischerei, sondern auch die Herzogliche Fischzucht in Wildbad Kreuth gepachtet hat. „Mittlerweile liebe ich den Tegernsee“, sagt Ernst, „denn ich arbeite hier in einem perfekten Team und die Geschäfte laufen auch gut.“

Wobei sich in Sachen Fischerei zu Jahresbeginn einiges getan hat. Nach Michael Ostermeier ist nun Christoph von Preysing allein für die Fischerei, die Aufzucht, den Aquadome und das angrenzende Bistro verantwortlich. Genauer gesagt: Michael Ostermeier bleibt Oberpächter und Christoph von Preysing übernimmt die Position eines Unterpächters. Pachtgeber ist dabei die Schlösser- und Seenverwaltung. Die Fischzucht in Kreuth sowie das Fischgeschäft in Tegernsee gehört dagegen Herzog Max Emanuel von Bayern. Die Fischzucht in Bad Wiessee wiederum untersteht dem Bezirk von Oberbayern. Bistro und Aquadome sind im Besitz der Gemeinde.

IMG_2817

Apropos Fischzucht. „Es geht heute nicht nur darum, möglichst viel zu fangen, sagt Ernst, „das Wichtigste ist der Besatz mit Seeforellen, Saiblingen und Renken.“ Und das nehme immens viel Zeit in Anspruch, fügt er hinzu. Denn die Brut in der Zucht in Bad Wiessee müsse quasi rund um die Uhr beaufsichtigt werden. Hauptaufgaben seien das Füttern des Nachwuchses und das Auslesen der Eier, sagt Ernst. „Allein schon wenn der Strom ausfällt, kann die Arbeit eines ganzen Jahres vernichtet werden. Viel Zeit kostet sie auch der Bad Wiesseer Aquadome, seines Zeichens das größte Süßwasseraquarium Bayerns mit 20 heimischen Fischarten, und die Neuausrichtung des angrenzenden Bistros. Dessen Speisekarte soll vielfältiger und mit Eigenkreationen aufgefrischt werden. „Zum Beispiel mit unserem Saibling auf Matjesart, der mittlerweile schon zum Klassiker unter den Fischliebhabern rund um den See geworden ist“, verrät Ernst. „Wobei wir das Bistro nicht in einen Gourmettempel verwandeln wollen. Wir wollen vielmehr einen kulinarischen Treffpunkt kreieren, der jung und zugleich familienfreundlich ist.

IMG_2825

Doch zurück in das Verkaufsgeschäft in Tegernsee, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft des legendären Bräustüberls befindet. Während sich die Kundschaft bereits vor der kleinen Theke drängt und fleißig Seeteufel, Hummer, Langusten, Austern, Räucherfischcreme oder Saiblingskaviar ordert, wird im angrenzenden Raum der heutige Fang verarbeitet. Auch die kleine Räucherkammer direkt am Ufer ist schon längst in Betrieb, wie eine schmale, graue Rauchfahne verrät. „Ich werde jetzt nicht verraten, wie unsere legendäre Gewürzmischung genau zusammengesetzt ist“, sagt Ernst, „aber was ich verraten kann ist, dass unsere Räucherfische über Nacht darin eingelegt werden und am nächsten Tag für knapp vier Stunden über einem Feuer aus Erlenholz hängen.“ Wie auch immer, sicher ist nur eines: die goldgelbe Renke, die Ernst vor dem Laden auf dem rustikalen Tisch serviert ist von unübertroffener Qualität. Selbstverständlich gönnt sich auch Ernst die Delikatesse aus dem Tegernsee zum zweiten Frühstück. Denn der Appetit darauf ist ihm bis heute nicht vergangen: „Ich esse jeden Tag Fisch. Denn Fisch ist gesund und richtig zubereitet, schmeckt er auch fantastisch.“

Advertisements

Über Franz Michael Braunschläger

Publisher, Writer, Photographer
Dieser Beitrag wurde unter Und sonst noch . . . abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s