Interior Designer Alv Kintscher und das Wunder von der Dorfstraße 17

Dieses denkmalgeschützte Bauernhaus hat alles, was ein Chalet braucht: Holz in allen Variationen, Wärme und dieses gewisse Etwas, das die Symbiose von Tradition und Moderne in ungeahnte Höhen führt. Kein Wunder: Interior Designer Alv Kintscher aus Sachsenkam am Tegernsee hat es zu neuem Leben erweckt.

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Dem puristischen Charakter natürlicher Materialien ein neues Gesicht zu geben, das Rohe darin zu nutzen und es als visuelle Kraft wahrzunehmen – das ist die Philosophie von Alv Kintscher, dem „Naturalisten“ unter den Interior Designern. Dabei verbindet er moderne Arbeitsmethoden, die neuesten materialwissenschaftlichen Erkenntnisse, Naturverbundenheit und Tradition. Kintscher nennt dies „Modern Nature“. Denn seine gestalterischen Ideen entspringen dem Gedanken, dass die inneren Werte eines Materials durch seine äußere Form enthüllt werden.  Sein gestalterischer Schwerpunkt sind dabei ausgefallene Holzstrukturen in Kombination mit Stein, Stahl, Glas und Filz. Wobei es ihm weniger auf „Show-Effekte“ ankommt, als vielmehr auf die Umsetzung einer naturgegebenen Gemütlichkeit, die ohne jegliche Rustikalität heimelig wirkt. Patina, Risse, Verfärbungen oder Flecken betrachtet Kintscher deshalb nicht als Makel, sondern als individuelle Merkmale, die einem Gegenstand erst das gewisse Etwas verleihen. Komplettiert wird Kintschers Portfolio durch die Entwicklung von Küchen-, Garten- und Lichtkonzepten. Auf industriell gefertigte Materialien verzichtet Kintscher generell. Selbst bei seiner weiteren Leidenschaft, dem Yachtbau, bleibt er seiner Philosophie treu. Mit dem bekannten britischen Yacht-Designer Bill Dixon richtet er maßgeschneiderte Luxusyachten ein und verleiht deren Innenleben seinen unverwechselbaren Stil, vollkommen abgestimmt auf individuelle Vorstellungen und Wünsche seiner Auftraggeber. Dafür wurde er 2011 in Cannes mit einem begehrten Yacht-Design-Preis ausgezeichnet.

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Herr Kintscher, was ist gutes Interior Design?

Das ist eine Gestaltung und Umsetzung, die auf die Bedürfnisse, Wünsche und Träume des Kunden maßgeschneidert und abgestimmt wird, inklusive überraschenden Interpretationen der Aufgabe.

Muss man als guter Interior Designer die Welt gesehen haben?

Ja, auf jeden Fall. Die Wünsche des Kunden sind inzwischen auch bezüglich des Design-Stils global. Jedes Land schenkt uns wunderbare Interpretationsmöglichkeiten, auch für ein einheimisches Design. Ich betrachte sehr aufmerksam viele Details und Stimmungen und deren Wirkung. Oder besondere Oberflächen und Materialien und wie diese handwerklich umgesetzt werden. Das wird bei mir auf meiner geistigen „Festplatte“ abgespeichert und zur rechten Zeit beim richtigen Kunden wieder aufgerufen.

Wie schaffen Sie es, die Intentionen ihrer Auftraggeber zu bestimmen?

Das ist ein Prozess, ein Kennenlernen, sich Zeit nehmen für den Kunden. Man muss aufmerksam zuhören und im ersten Gestaltungsschritt auch Varianten anbieten. Je länger die Zusammenarbeit dann fortschreitet, desto zielsicherer werden dann auch die konkreten Vorschläge.

Bei diesem Projekt, das Sie selbst bewohnen, sind Sie sozusagen ihr eigener Auftraggeber, macht dies einen Unterschied im Design-Prozess?

Eigentlich nicht – ganz bewusst hatte ich dieses Mal Zugriff auf mein komplettes Team. In Team gestalten wir immer besser und auch die Umsetzung erfolgt dann im Detail viel präziser.

Das Haus ist gespickt mit ungewöhnlichen Objekten, deren Ausgangsmaterial oft banal und wertlos erscheint. Zum Beispiel die Skulptur „Wolke Sieben“ …

… ein ungewöhnliches Fundstück. Auf der Suche nach schönen Treibholz-Unikaten im Karwendel, im Flusslauf der Eng, haben wir im Kiesbett einen angeschwemmten Maschendrahtzaun gefunden. Dieser hatte bereits diese skurrile Wolkenform. Wie so oft entsteht da ein Gefühl – irgendwo wird das Objekt seinen Platz finden. Und siehe da, es krönt unser eigenes Zuhause. Durch kleine LED-Punkte kann die Wolke Sieben auch zu einem Sternenhimmel werden.

Wie schaffen Sie es, Tradition und Moderne zu verbinden?
Indem ich versuche, Altes zu bewahren. Vor allem in der Außengestaltung soll sich das Objekt immer in die Landschaft und Umgebung bescheiden einfügen. Innen liebe ich klare Formen, die allerdings mit traditionellen und einheimischen Materialien umgesetzt werden. Zum Beispiel mit Stahl, Filz, Loden, Hölzern mit Charakter. Ich bevorzuge haptische Oberflächen, die berührt werden wollen.

Welche Philosophie vertreten Sie in Sachen Farben?
Fest verbaute Elemente setzte ich gerne in erdigen, natürlichen Tönen um. Das bleibt auf ewig zeitlos! Wohnbereiche mit sehr kurzer Aufenthaltszeit wie z.B. ein Gäste-WC bekommen auch mal einen starken Farbakzent. Hier darf der Moment ein Erlebnis sein.

Welcher zeitgenössische Künstler fasziniert Sie?
Mich fasziniert Axel Vervoordt. Von einem opulenten klassischen Einrichtungsstil hat er sich zusammen mit Tatsuro Miki der totalen Reduktion verschrieben. Hier entstehen ganz zauberhafte Einrichtungen die wie Kunst wirken. Mein Buchtipp: „Inspiration Wabi“ von Axel Vervoordt.

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Über Franz Michael Braunschläger

Publisher, Writer, Photographer
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